| Was ist Wetter? Ein Sommergespräch |
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| Geschrieben von: Administrator |
| Freitag, 16. Juli 2010 |
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Hallo,
eine besorgte, nicht kritische Nachfrage: Wie erklärt ihr von Eike euch diesen extrem warmen und sehr trockenen Sommer der letzten 4-5 Wochen? Ok, auch ich habe den langen und kalten Winter (der aber global angeblich von einem überdurchschnittlich warmen Sommer auf der Südhalbkugel überkompensiert wurde)und den nassen und kalten Mai nicht vergessen. Dennoch macht mir, wie auch einigen Leuten in meinem Umfeld, das heiße trockene Wetter der letzten Wochen als fast schon ängstlicher Beobachter klimatischer Veränderungen massiv Sorgen. Und das obwohl sich die Medien bislang (so weit ich das mitbekommen habe) sensationsheischender Hitzeprognosen und Apocalypsemeldungen enthalten. Gibt es für die derzeitige Wetterlage über Europa eine Erklärung, die nicht mit globaler Erwärmung begründet werden kann? Hat El Nino obwohl er sich derzeit angeblich abschwächt und in La Nina übergeht noch Nachwirkungen? Wie wirkt sich der warme Europäische Sommer global aus? Und schließlich: Das Wetter erinnert mich fatal an den Sommer 2006. Gibt es Anzeichen für einen erneut viel zu warmen Winter auf der Nordhalbkugel wie 2006/2007?
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Hallo Herr W.,
wenn wir von Klima reden, dann ist das der Durchschnitt von lokaler Witterung über viele Jahrzehnte. Ein Klimapunkt ist der Mittelwert von 30 (!!) Jahren Witterung lt. WMO. Es gibt nur das Wetter. Das ist real. Und das ist derzeit sehr heiß in unseren Breiten.
Aus praktischen Gründen und um evtl. wiederkehrende Muster zu finden, wird das lokale Wetter zu lokaler Witterung verdichtet. Das sind dann längere Zeiträume. Übrigens - der kalte Winter und der warme Sommer werden klimatologisch zu einem einzigen Jahresmittelwert verdichet (pro Messtation). Ob sich das ausgleicht weiß ich nicht. Es hängt davon ab, wie lange die Hitze noch anhält.
Noch längere Zeiträume werden dann von Witterung zu Klima verdichtet. Das sind reine statistische Rechenwerte. So hat Rom z.B. eine um 6 °C (!!) höhere jährlich Durchschnittstemperatur als Berlin. Wir sind immer noch nur lokal.
Dann können die lokalen Klimawerte zu Klimazonen mit ähnlichen Bedingungen und Werten zusammengefasst werden. z.B. Polare Klimazone, tropische Klimazone etc. Das ergibt alles Sinn und hat praktischen Nutzen.
Ein Weltklima gibt es nicht. Ebenso wenig wie eine Welttemperatur. Sie ist so aussagefähig, wie die durchschnittliche Telefonnummer von Berlin. Da meldet sich bestimmt nicht der Durchschnittsberliner, wenn sich überhaupt jemand meldet. Physikalisch sind Temperaturen Eigenschaften des Ortes an denen sie gemessen werden. Man kann nur dann physikalisch verwendbare (z.B. für Energieflüsse & Energie-Bilanzen) Temperaturmittelwerte bilden, wenn die Messorte im thermodynamischen Gleichgewicht sind. Das ist auf der Erde jedoch nie der Fall. Deswegen ist das Rechnen mit Ø -Temperaturen in Klimamodellen physikalischer Humbug. Reine Astrologie!
Gerade meldet die Neumayerstation in der Antarktis einen neuen Kälterekord seit 29 Jahren. Und wir stöhnen unter der Hitze. Das ist Wetter.
Ich habe Ihre Anfrage an einige unserer Meteorologen weitergeleitet. Sicher können die Ihnen einiges zur Wetterlage sagen.
Das jetzige Wetter hat mit dem Klima nichts zu tun, Ich erinnere mich an viele schöne Sommer. Schön in diesem Sinne heißt, sie waren heiß.
Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ihr Michael Limburg Vizepräsident EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie)
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Lieber Herr W.,
im Grundsatz hat Herr Limburg die Sache schon geklärt (wie oben).
Ein paar ergänzende Anmerkungen: Die Atmosphären-Strömung "arbeitet" in Wellen. In unseren gemäßigten Breiten haben wir es zu etwa 80% des Jahres mit einer mehr oder weniger mäandernden West-Wind-Strömung in den höheren Luftschichten zu tun. Das Wetter am Erdboden (also in "Augenhöhe") mit seinen Tiefs, Fronten, Hochs .... ist "ein Abfall-Produkt" dieser Höhenströmung.
Höhenströmung und "Boden-Wetter" werden von den sogn. Zirkulations-Modellen der welt-weiten Wetterdienste mit guter Genauigkeit für ca. eine Woche prognostiziert.
Aus physikalischen Gründen (Chaos-Theorie der Atmosphäre) wird man auch in den nächsten Jahrzehnten (Jahrhunderten?) eine Vorhersagbarkeits-Grenze von ca. 10 Tagen kaum überschreiten können. Schon aus diesen Gründen ist es eine ungeheuere Anmaßung der KLima-Institute, Klima (und damit letztlich Wetter) für 100 Jahre im voraus berechnen zu wollen !! (....selbst auch dann, wenn dieser Vergleich physikalisch etwas "hinkt"). Nun zu Ihrer eigentlichen "Kernfrage, warum mal sehr kalt und mal sehr heiß" : Die mehr oder weniger ausgeprägten Mäander der ("wetter-steuernden"!) Höhenströmung nennt man wegen ihres globalen/planetaren Auftretens in der meteorologischen Fachsprache "Planetarische Wellen". Dort, wo ein "Wellenbauch" ist, entsteht ein Hochdruck-Keil ; dort, wo ein "Wellental" ist, den die Meteorologen TROG nennen, haben wir tiefen Luftdruck –beides in "allen" Höhenschichten bis zum Boden.
Auf den Westseiten der Tröge, auch Rückseiten genannt (...und damit am Ostabhang der Keile) wird Kaltluft von höheren (nördlichen) Gefilden in niedere Breiten transportiert (am Boden: "Kaltfronten") ; auf den Ostseiten der Tröge und folglich an den West-Flanken der Hochkeile wird Warmluft von niederen (südlicheren) Breiten nach Norden transportiert - Warmluft-Advektion! In dieser Zirkulation überwiegen hemisphärisch/global "Wellen-Zahlen" von 5...6...7, seltener 3 oder 4. Bei geringeren Wellen-Zahlen (also 3...4...5) neigt die atmosphärische Strömung aus physikalischen Gründen ("stehende Wellen") zu einer Verlangsamung des West-Ost-Weiterwanderns, bis hin zum "Stillstand" - in der Meteorologie BLOCKIERUNG genannt.
Dann verstärken sich Hochkeile und Tröge noch, womit sich die Zufuhr von kalter bzw. warmer Luft intensiviert, je nachdem, in welcher Region wir uns unter der Höhenströmung und der sich daraus ergebenden Bodenströmung befinden.
Genau dieses Strömungs-Muster einer BLOCKIERUNGS-Wetterlage hat unseren Winter 2009/2010 bestimmt, und bestimmt nun nach dem gleichen "Muster" eben auch unseren derzeitigen Sommer. Diese Blockierungs-Lagen sind - wiederum aus strömungs-physikalischen Gründen, oft sehr stabil, sie können also über Wochen (...Monate) andauern, bzw. sich regenerieren !
Der einzige Unterschied - betreffend den vergangenen Winter und den jetzigen Sommer - ist der, daß der blockierende Hochkeil im letzten Winter mehr oder weniger über dem Ostatlantik lag, mit einer ständigen "vorderseitigen" Kaltluft-Polarluft-Advektion nach Mittel- und Osteuropa (TROG), wogegen der Hochkeil j e t z t seit einigen Wochen (und zumindest wohl noch für ca. eine Woche) über dem mittleren bis östlichen Europa liegt.
Das hatte und hat zur Folge, daß an der Westflanke dieses Hochkeils und gleichermaßen auf der Ostflanke ("Vorderseite") des "stationären" ostatlantischen Tiefdruck-Troges subtropische Warmluft nach West- und Mittel-Europa geführt wird - Ende offen !!
Dieses alles sind meteorologische Prozesse und Wetterlagen, mit irgendeiner "Klima-Katastrophe" hat weder der vergangene kalte Winter noch der jetzige heiße Sommer auch nur das Geringste zu tun, und mit CO2 schon ganz + gar nicht !!
Noch Fragen? Anruf genügt.
Gruß, KEPuls (Dipl.-Met. Klaus-Eckart Puls)
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| Zuletzt aktualisiert am Freitag, 16. Juli 2010 |


