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Hubschrauber Drucken
Geschrieben von: Stefan Riedel   
Freitag, 13. Februar 2009

Vision

Niedliche, idyllische und possierliche Kraftwerks-Industrie! Alles fein und sauber. Demnächst dann auch in der Nordsee. 14.000 Kraftwerke in der Deutschen Bucht. Und wenn  mal weniger Monteure geflogen werden, gibt es zwischendrin Rundflüge für die wenigen restlichen Touristen.  Gelegentliche Notwasserung eingeschlossen (siehe Werbung). Im Hudson hat´s ja auch geklappt. Abenteuer-Urlaub über der Nordsee. Werbebroschüren der Finanz-Investoren gibts gratis, zum Kaffee. Bei Windstille wird für Unerschrockene auf der Plattform serviert. Hei, wie wird das fein.    

Endlich ist die langweilige Ruhe vorbei an den Küsten, Stränden und über dem Meer. Endlich ist hier was los!

Noch kann das verhindert werden!


Realität So wird heute dafür geworben.

Bürger wehrt Euch!




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Hilfe aus der Luft bei Windstärke 11

UNTERNEHMEN  Wiking aus Mariensiel setzt Seelotsen und Windanlagen-Monteure per Hubschrauber ab

Ein Hubschrauber von Wiking setzt einen Monteur auf einer Windanlage ab. BILD: WIKING/DPP

 

DER HELIKOPTER-SERVICE WURDE 1975 GEGRÜNDET. MIT OFFSHORE-WINDPARKS ERSCHLIEßT SICH WIKING EIN NEUES GESCHÄFTSFELD.

VON MIEKE MATTHES

MARIENSIEL/EMDEN - Kapitän Detlev Ommert gehört zu jenen Seelotsen in der Deutschen Bucht, die nicht selten auch per Hubschrauber an Bord von Großtankern und Containerschiffen gelangen. Der von der Firma Wiking Helikopter Service GmbH angebotene Dienst sei zwar „Routine, aber immer auch ein wenig Abenteuer", sagt Ommert.

Jeden Tag ein neues Schiff

Seit sieben Jahren sorgt Ommert Tag für Tag dafür, dass Frachter und Tanker wohlbehalten die Jade und die Weser passieren. Für den Seelotsen bedeutet das jeden Tag ein neues Schiff, eine neue Mannschaft - und jeden Tag ein anderes Wetter auf der Nordsee. Bis Windstärke 7 setzen Ommert und seine Kollegen von der Lotsenbrüderschaft Weser II/Jade per Tenderboot zu den großen Pötten über, klettern bis zu 20 Meter hohe Bordwände hinauf und hinunter.

Wenn aber der Wind weiter zunehme, stiegen die Lotsen um auf den Hubschrauber der Wiking Helikopter Service GmbH Mariensiel bei Wilhelmshaven, sagt Ommert. Per Winde werden sie dann aus luftiger Höhe abgeseilt auf das schwankende Schiffsdeck, auf den ganz großen Tankern landen die speziell ausgebildeten Piloten sogar. Mehr als 30 Jahre schon betreibt Wiking diesen Service.

Das Unternehmen sei 1975 eigens für den Versatz der Seelotsen gegründet worden, sagt Wiking-Geschäftsführer Nils Herrmann. 2500 Mal heben die Piloten pro Jahr durchschnittlich für den Lotsendienst ab - und das bis Windstärke 11, also Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern. Fünf Hubschrauber des Typs Sikorsky S-76 mit Platz für je zwölf Personen gehören heute zur Flotte. „Zwei weitere Hubschrauber sind bestellt", sagt Herrmann. Die sollen auch im neuesten Geschäftsfeld zum Einsatz kommen, das sich das Unternehmen soeben erschließt: Offshore-Windparks.

„Wir haben uns gedacht, dass die Versorgung genau so ablaufen wird, wie der Seelotsenversatz, nämlich im dualen Prinzip per Schiff und Helikopter", erläutert der Geschäftsführer. Gemeinsam mit der AG Reederei Norden-Frisia wurde zu diesem Zweck die Fri King GmbH gegründet und ein Service-Paket für Offshore-Windparks geschnürt. Neben dem Transport von Material und Personal in der Bau- und Betriebsphase wird die Verkehrssicherung der Baustelle im Meer angeboten sowie die Sicherheitsausbildung des künftigen Windpark-Personals.

Verträge mit Windparks

Verträge mit den Betreibern der Windparks Bard Offshore 1 (100 Kilometer nordwestlich Borkum) und Alpha Ventus (45 Kilometer nördlich Borkum) seien bereits unterzeichnet. Mit weiteren Windparks stehe man in Verhandlungen, sagt Herrmann.

Um das Angebot zu komplettieren, gründet Wiking derzeit die Offshore Wind Academy Emden. Gemeinsam mit der dänischen Firma Falck Nutec entsteht in Emden ein Schulungszentrum. Dort sollen auf Sicherheitskursen zukünftige Mitarbeiter von Offshore-Windparks, aber auch von Luftfahrtunternehmen und aus der maritimen Wirtschaft lernen, wie man sich aus einem notgewasserten Hubschrauber befreit, Feuer auf See bekämpft und im kalten Nordseewasser überlebt. Außerdem im Programm: Das Absetzen per Winde aus einem Helikopter.

 

Nordwest-Zeitung 10.02.2009 [Link zum Artikel]

 




 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 13. Februar 2009